Drei London-Fallen, von beiden Seiten des Bretts betrachtet
Das Londoner System ist eine ruhige Eröffnung, und doch gibt es darin Fallen, die in den ersten zehn Zügen Material gewinnen. Hier sind drei davon, jede mit ihrem Köder, ihrer Widerlegung und dem Signal, das sie ankündigt, ganz gleich, ob du das Londoner System spielst oder dagegen antrittst.
Woher die Fallen im Londoner System kommen
Im Londoner System stehen fast in jeder Partie dieselben Figuren auf denselben Feldern, und genau deshalb funktionieren seine Fallen. Gegen einen ruhigen Aufbau entwickelt man sich leicht, ohne nach Taktik zu suchen; und der London-Spieler, der in jeder Partie dieselben Züge spielt, kann eine ungedeckte Figur übersehen. Die drei Fallen unten zeigen wir kostenlos in unserer Lichess-Studie; das Buch Das Londoner System in zwölf Lektionen enthält zehn.
Falle 1: die Diagonale d1–h5
Der Köder: In 1.d4 d5 2.Lf4 Sc6 3.e3 Lg4?? kommt der Läufer heraus und greift die Dame an. In vielen Eröffnungen fesselt …Lg4 einen Springer auf f3, aber hier steht noch kein Springer auf f3, und 3.e3 hat die Diagonale von d1 nach h5 geöffnet: 4.Dxg4 schlägt den Läufer einfach.
Ein Springer fällt auf h5 genauso, nach einer anderen Zugfolge: 1…Sf6 2.Lf4 d6 3.e3 Sh5?? 4.Dxh5. Er zieht nach h5, um den Läufer auf f4 zu vertreiben, und landet auf der offenen Diagonale.
So fällst du nicht darauf herein. Mit Schwarz: Sobald Weiß e3 gespielt hat, lass keine Figur ohne Verteidiger auf g4 oder h5 stehen, solange kein Springer auf f3 steht. Mit Weiß: Schau in der Eröffnung nach jedem schwarzen Zug auf g4 und h5, bevor du mit dem Aufbau weitermachst. Eine geschenkte Figur übersieht man leicht, wenn man in jeder Partie dieselben Züge spielt.
Falle 2: …f6? gegen den Springer auf e5
Der Köder: In 1.d4 d5 2.Lf4 e6 3.Sf3 c5 4.Sbd2 Ld6 5.Se5 c4 6.e3 f6? vertreibt Schwarz den Springer von e5. Aber …f6 öffnet die Diagonale von h5 zum König auf e8, und da der Springer f3 verlassen hat, kommt die Dame mit 7.Dh5+! sofort dorthin.
Schwarz muss mit 7…g6 dazwischenziehen: Der König kann nicht ausweichen, denn auf e7 oder f8 wird er mit 8.Df7# mattgesetzt, da der Springer auf e5 das Feld f7 deckt. Dann folgt 8.Sxg6!, und nach 8…hxg6 9.Dxh8 hat Weiß einen Turm gegen den Springer gewonnen. Warum es funktioniert: Wenn der h-Bauer auf g6 schlägt, öffnet sich die h-Linie von h5 bis h8, wo der Turm schon wartete. Es ist dieselbe Diagonale wie in der ersten Falle: Mit dem Bauern auf e3 und dem Springer, der von f3 nach e5 gezogen ist, versperrt nichts den Weg von d1 nach h5.
So fällst du nicht darauf herein. Mit Schwarz: Rochiere zuerst oder decke g6 mit …Se7, bevor du …f6 gegen einen Springer auf e5 spielst. Mit Weiß: Das Signal ist ein König, der noch auf e8 steht, ein gerade gespieltes …f6, die offene Diagonale d1–h5 und nur der h-Bauer als Deckung von g6. Prüfe dann Dh5+.
Falle 3: die Bauerngabel auf e5
Der Köder: In 1.d4 d5 2.Lf4 Sf6 3.e3 Lf5 4.c3 e6 5.Sf3 Ld6 6.Se5 Sbd7 7.Sd2 Sxe5? beseitigt Schwarz den Springer auf e5. Mit dem Läufer zurückzuschlagen, 8.Lxe5, würde nichts gewinnen: Stockfish bewertet danach sogar Schwarz besser. Richtig ist 8.dxe5!, mit dem Bauern: Von e5 aus greift er gleichzeitig den Läufer auf d6 und den Springer auf f6 an.
Eine der beiden Figuren fällt, und Weiß gewinnt eine Figur gegen einen Bauern. Den Bauern zu schlagen hilft nicht, denn der Läufer auf f4 deckt e5: Nach 8…Lxe5 9.Lxe5 hat Schwarz den Läufer verloren. Unser Artikel über die Gabel zeigt diese Bauerngabel neben der Springer- und der Damengabel.
So fällst du nicht darauf herein. Mit Schwarz: Bevor du mit einem Springer auf e5 schlägst, schau auf d6 und f6. Ein Bauer, der auf e5 ankommt, würde beide treffen. Nichts zwang zum Schlagen, und ruhige Züge wie 7…h6 oder 7…De7 halten laut Stockfish das Gleichgewicht. Mit Weiß: Wenn Schwarz auf e5 schlägt und Figuren auf d6 und f6 hat, schlag mit dem d-Bauern zurück.
Die sieben weiteren Fallen im Buch
Lektion 12 des Buchs Das Londoner System in zwölf Lektionen versammelt zehn Fallen aus echten Partien, jede mit dem Köder, der Widerlegung und dem Weg, sie zu vermeiden. Die ersten drei hast du gerade gesehen. Die anderen sieben sind:
- Das Damenschach auf a4
- Das Zwischenschach
- Der Spieß auf der achten Reihe
- Das klassische Läuferopfer, das scheitert
- …Dh4+ nach f2–f3
- Der vergiftete Bauer auf b7
- …Da5+ und der Läufer auf b5
Von diesen sieben erwischen die ersten drei Schwarz, wie die Fallen oben. Die letzten vier erwischen Weiß, und der London-Spieler muss sie genauso gut kennen.
So machst du dir diese Fallen zu eigen
Die drei Fallen haben eines gemeinsam. Jede bestraft einen natürlichen Zug, der gespielt wird, ohne das ganze Brett anzuschauen: einen Läufer, der auf eine offene Diagonale kommt, einen Bauernvorstoß, der die Diagonale des Königs öffnet, einen Schlagzug, der einen Bauern hereinlässt. Und jedes Mal ist die Antwort von Weiß ein Schach oder ein Schlagzug, also genau die Züge, die du dir zuerst ansehen solltest.
Eine Falle, über die du nur gelesen hast, übersiehst du am Brett leicht. Bau jede auf, spiel sie von beiden Seiten durch und lerne das Signal, das sie ankündigt:
- Nach e3 ist die Diagonale d1–h5 offen, bis ein Springer nach f3 kommt: Achte auf g4 und h5.
- König auf e8 und …f6: Such nach Dh5+.
- Schwarz schlägt deinen Springer auf e5 mit einem Springer: Schlag mit dem d-Bauern zurück, wenn der Bauer dann zwei Figuren angreift.
Trainiere dann die Taktik dahinter, vor allem hängende Figuren und Gabeln, mit Aufgaben aus echten Partien wie in 300 Schachaufgaben. Die kostenlose Lichess-Studie zeigt diese drei Fallen zusammen mit den ersten drei Lektionen des Buchs und sechs Aufgaben, und unser Leitfaden, wie du das Londoner System spielst, erklärt den Aufbau, aus dem sie entstehen.