Die ersten Schachaufgaben deines Kindes: der Einstieg zu Hause
Sobald ein Kind weiß, wie die Figuren ziehen, sind Schachaufgaben ein einfacher Weg, zwischen den Partien zu üben. Hier liest du, woran du erkennst, dass es so weit ist, mit welchen Aufgaben ihr anfangt und wie ihr die Einheiten kurz haltet, und du findest eine erste Aufgabe zum gemeinsamen Lösen.
Wann ist ein Kind bereit für Schachaufgaben?
Der richtige Zeitpunkt hängt mehr vom Spiel des Kindes ab als von seinem Alter. Ein Kind ist bereit, wenn es weiß, wie jede Figur zieht, was Schach und Schachmatt sind, und eine Partie zu Ende spielen kann. So prüfst du das schnell: Bitte das Kind, auf alle Felder zu zeigen, die ein Springer von der Brettmitte aus erreichen kann, und dir in einer Stellung, die du aufbaust, zu sagen, ob ein König im Schach steht. Kommen beide Antworten mühelos, ist das Kind bereit für Aufgaben; wenn nicht, ist die Zeit mit Partien und dem Üben der Gangart besser genutzt.
Ein gutes Zeichen ist ein Kind, das ganze Partien spielt, aber noch Figuren hängen lässt oder ein Matt übersieht, das auf dem Brett stand. Genau das üben die ersten Aufgaben. Spielt das Kind schon online, ist seine Wertung dort ein grober Anhaltspunkt für den Einstieg, und unser Artikel über Elo-Zahlen im Schach erklärt, was diese Zahlen bedeuten. Ohne Wertung fangt ihr mit den leichtesten Aufgaben an und geht eine Stufe höher, sobald sie keine Herausforderung mehr sind.
Womit anfangen: Matt in einem Zug und hängende Figuren
Die ersten Aufgaben sollten eine kurze Lösung haben, die das Kind auf dem Brett prüfen kann. Zwei Themen eignen sich dafür gut, und es sind die ersten beiden der zehn Themen von 300 Schachaufgaben:
- Matt in einem Zug. Finde das Schach, dem der König nicht entkommen kann, mit einem einzigen Zug. Das Kind muss sich jedes Schach ansehen und jedes Feld rund um den gegnerischen König.
- Hängende Figuren. Eine Figur, die nicht oder nicht genug gedeckt ist, kann einfach geschlagen werden. Das Kind muss sich nach jedem Zug fragen, was angegriffen und was gedeckt ist.
Beide Themen passen zu dem, was in Anfängerpartien geschieht: Oft bleiben Figuren hängen, und Matts werden auf beiden Seiten übersehen. Hier ist die erste Aufgabe des Themas „Hängende Figuren“, die leichteste der dreißig.
Der erste Gedanke ist vielleicht, mit dem König aus dem Schach zu gehen. Aber nichts deckt den weißen Turm, also kann der König ihn einfach schlagen: 1…Kxg7. Auch der Läufer auf b4 geht verloren: Er ist gefesselt, denn zöge er weg, würde der schwarze Turm den weißen König angreifen, und das verbieten die Regeln. Nach 2.Kd4 schlägt 2…Txb4+ ihn mit Schach.
Eine Aufgabe zum gemeinsamen Lösen
Verrate die Lösung nicht gleich. Leite die Suche in drei Schritten an und lass das Kind selbst suchen:
- Alle Schachgebote suchen, die Schwarz geben kann. Hier gibt es nur zwei, beide mit der Dame.
- Bei jedem Schach prüfen, wie Weiß antworten kann: mit dem König auf ein freies Feld ziehen, die schachgebende Figur schlagen oder eine Figur dazwischenstellen.
- Den gewählten Zug aufschreiben, bevor jemand die Figuren berührt.
Das erste Schach, 1…Df2+, scheitert sofort: Nichts deckt die Dame auf f2, und drei weiße Figuren können sie schlagen, zum Beispiel 2.Dxf2. Das andere Schach ist matt: 1…Df1#. Der Läufer auf d3 deckt die Dame, also kann der König sie nicht schlagen; seine eigenen Bauern auf g2 und h2 versperren ihm den Weg, und die Dame kontrolliert f2 und h1. Wenn Matt in einem Zug leichtfällt, gehen zwei unserer Artikel einen Schritt weiter: das Schäfermatt, ein Matt in vier Zügen samt seiner Abwehr, und elementare Mattführungen mit Dame oder Turm.
Lob die Suche, nicht nur die Lösung. Ein Kind, das jedes Feld rund um den König geprüft hat, hat richtig gearbeitet, auch an einem Tag, an dem die Antwort falsch ist.
Die Einheiten kurz und regelmäßig halten
Ein paar sorgfältig gelöste Aufgaben sind besser als eine lange Einheit, die in Langeweile endet. Hör auf, solange das Kind noch eine Aufgabe mehr lösen will: Dann fällt der Anfang der nächsten Einheit leichter. Einfache Gewohnheiten helfen dabei:
- Ein Thema nach dem anderen. Mehrere Aufgaben zur selben Idee hintereinander halten das Motiv bis zur letzten frisch.
- Ein fester Zeitpunkt. Dieselben Tage, dieselbe Uhrzeit, am Tisch: So werden die Aufgaben Teil des Alltags.
- Ein Brett in der Nähe. Das Kind kann die Stellung aufbauen, um sie besser zu sehen, schreibt den Zug aber auf, bevor es ihn spielt.
- Eine Fehlerliste. Nehmt euch die verpassten Aufgaben ein paar Tage später noch einmal vor und schaut, ob die Lösung kommt.
Eine einfache Einheit sieht so aus: eine Aufgabe, die ihr zum Aufwärmen gemeinsam löst, ein paar, die das Kind allein schafft, dann der gemeinsame Blick auf die Lösungen hinten im Heft. Kommt das Kind nicht weiter, gib einen Hinweis in Form einer Frage, etwa welche Figuren Schach geben können, statt den Zug zu verraten.
Den richtigen Gedankengang loben
Ist die Antwort richtig, frag das Kind, warum sie funktioniert. Ein Kind, das erklären kann, dass der König die Dame nicht schlagen kann, weil der Läufer sie deckt, hat die Aufgabe verstanden und nicht nur den Zug gefunden.
Ist die Antwort falsch, nenn nicht sofort die richtige. Spiel die Antwort des Gegners auf dem Brett, lass das Kind sehen, warum der Zug scheitert, und lass es noch einmal suchen. Den Zug im zweiten Anlauf zu finden, zählt genauso.
Lob gute Gewohnheiten großzügig: jedes Schach anschauen, Angreifer und Verteidiger zählen, den Zug aufschreiben, bevor man in die Lösung schaut. Genau diese Gewohnheiten verlangt eine echte Partie, und sie sind mehr wert als ein Glückstreffer.
Papier, Bleistift und das Niveau Anfänger
Einmal ausgedruckt, brauchen die Aufgaben kein Konto und keinen Bildschirm: keine Benachrichtigung, kein Video nur einen Fingertipp entfernt, nur ein Bleistift und eine Stellung. Solange die Notation noch nicht leichtfällt, kann das Kind einen Pfeil ins Diagramm zeichnen oder den Zug laut sagen, während du ihn aufschreibst. Unser Artikel über Schachaufgaben auf Papier erklärt die Methode Schritt für Schritt.
Unsere Schachaufgaben-Hefte für Kinder gibt es in drei Niveaus. Anfänger, für 600 bis 1000 Elo, ist das richtige für ein Kind, das ganze Partien spielt, aber noch Figuren hängen lässt; Mittelstufe (1000 bis 1400) und Fortgeschritten (1400 bis 1800) kommen danach, und du kannst das Niveau jederzeit wechseln. Jedes Heft bringt sechzig Aufgaben in einem PDF zum Ausdrucken zu Hause, mit Linien neben jedem Diagramm für den Zug und einer Erklärung zu jeder Lösung am Ende. So kannst du eine Lösung prüfen, auch wenn du selbst kein Schach spielst.
Die zweite Seite jedes Hefts erklärt die Notation. Und bevor du etwas kaufst, könnt ihr die beiden Aufgaben oben ausprobieren: Sie gehören zu den zwanzig kostenlosen Aufgaben unserer Lichess-Studie.